Samstag, 10. Oktober 2020

The socks are coming out!

Wie zuletzt hier beschrieben, sind unsere Hausgenossen die Socken bekanntermaßen keineswegs das, wofür wir sie ursprünglich gehalten haben. Durch unsere Forschungsarbeit der letzten Jahre konnten wir zumindest in Nordhessen - einem Land, das durch seine lange Tradition im Bereich des Märchenhaften vor allem durch die Gebrüder Grimm gewohnt ist, über den Tellerrand des für den gemeinen Menschen Realen hinauszuschauen - durchsetzen, dass unseren kleinen Freunden etwas mehr Raum für ihr so außergewöhnliches Dasein eingeräumt wird. Seitdem erleben wir mit großer Freude wie immer mehr Socken aus ihrer düsteren unterirdischen Zurückgezogenheit zurück ins Tageslicht treten und ganz selbstbewußt ihr Leben leben. Ein schönes Beispiel sind diese beiden "alten Socken": Ausgewachsene Sockentiere, die sich für ein gemeinsames Leben binden möchten. Wir wünschen alles Liebe und Gute für den gemeinsamen Weg!

Auch Socken sollten in ihrem Leben mindestens einen Baum pflanzen. Es ist daher durchaus üblich, ihnen zur Hochzeit einen solchen zu schenken.

Glück ist, wenn man zusammen eins ergibt, ohne seine eigene Identität aufgeben zu müssen.

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz ausdrücklich bei Kuschel-Wolle bedanken, die uns die wunderschönen Sockenlarven hat zukommen lassen. Sie hat ganze Arbeit geleistet und so konnten aus ihren Socken bei uns entspannte und glückliche Tiere entstehen! Wer mehr von ihren Werken sehen  oder vielleicht auch sein Glück bei der eigenen Aufzucht versuchen möchte, findet ihren Etsy-Shop unter diesem Link.

Samstag, 26. September 2020

He´s blue... oder: Corona macht einsam

Wir hatten Spaß miteinander - mein neuer MonsterAG-Kurs und ich. Aus der kleinen vierten Klasse von sieben Kindern, hatten fünf ihren Weg zu mir gefunden und sich (meistens) mit viel Energie und Spaß erfolgreich allen Herausforderungen gestellt, die der Puppenbau so mit sich bringt. Wir waren gerade soweit gekommen, unsere selbstentworfenen Klappmaulpuppen fertiggestellt zu haben und wollten mit ihnen bei TikTok ein neues Kapitel des Grundschulpuppentheaters schreiben, als Corona uns alle von heute auf morgen nach Hause geschickt hat. Glücklicherweise hatten meine Kids ihre Puppen größtenteils mit nach Hause genommen - alle... bis auf einen. Einer ist ganz alleine übriggeblieben und sitzt seit Mitte März bei mir fest. Ronaldo M. wartet seitdem im zehnten Meer auf das Ende der Pandemie oder ein Zeichen seines Erbauers, um endlich wieder nach Hause zu kommen.

Eigentlich feiert Ronaldo gerne, aber dieser Tage macht uns sein Bierkonsum schon etwas Gedanken - auch wenn es sich ausschließlich um eine alkoholfreie Variante handelt, so spricht es doch Bände über seinen Gemütszustand...

Er ist eigentlich eher ein harter Kerl, den nichts so leicht aus der Bahn wirft, aber er vermisst seine Familie schmerzlich.

 

Ein Bild des Jammers. Lautstarken Jammers. Liebe Nachbarschaft, es tut uns sehr leid, aber wir denken, dass es wichtig ist, dass er es ab und zu auch rauslässt und bitten um Euer Verständnis.

Oft steht er einfach nur da und schaut in die Ferne. Er redet nicht viel, aber das muss er auch nicht. Man braucht nicht wirklich große empatische Fähigkeiten, um ihn auch ohne Worte zu verstehen.

Nach und nach haben sich Hoffnungslosigkeit und Resignation in ihm breitgemacht, die wir trotz vereinter Bemühungen aller Bewohner des zehnten Meeres nur schlecht in den Griff bekommen.

Kein Licht am Horizont. Wir geben hier echt alles, um Ronaldo ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, aber es wird zunehmend schwierig.

Kaum ein halbes Jahr alt scheint es Ronaldo so, als sei er am Ende seiner Möglichkeiten angekommen. 

Nur noch Asche und Rauch. Ja, o.k., er steigert sich da auch ein bisschen rein, aber es lebt ja nun auch jeder seine eigene Realität.

Wir hoffen auf diesem Wege Ronaldos Erbauer zu erreichen. Möglicherweise ist alles ein großes Missverständnis und er wartet genauso sehnsüchtig auf Ronaldo, wie er auf ihn. Sollte sich aber weiterhin niemand melden, werden wir wohl noch intensiver nach einem Weg suchen müssen, um die Einsamkeit aus Ronaldos Herzen zu vertreiben.

So wie ihm ist es in dieser Zeit so einigen gegangen und tut das auch noch. Zwar war auch die Hilfsbereitschaft groß, aber die Dauer der ganzen Angelegenheit macht mürbe, der Alltag hat so manche Hilfsaktion einschlafen und die Einsamen noch einsamer werden lassen.  Der Herbst und der Winter werden dieses Geschehen noch verstärken für die, die weiter vorsichtig sein möchten. Für die, die es unerträglich finden, steigt die Gefahr einer Infektion. Gerade alleine lebende ältere Menschen sind mitten unter uns davon betroffen. So einige unter ihnen sind auch nicht besonders internetaffin und daher noch weiter vom Leben abgeschnitten, als viele von uns sich das heute vorstellen können. Es ist an uns, das besser zu machen. Schon ein kleiner Anruf, eine kleine Aufmerksamkeit ändern vieles.

Samstag, 5. September 2020

Socken... oder: Das geheime Leben unserer Fußwärmer

Wir haben schon an anderer Stelle darauf hingewiesen: Mit den Socken ist das so eine Sache. Wir glauben heutzutage – wie bei so vielen Dingen – genau Bescheid zu wissen, sie in- und auswendig zu kennen. Kaum jemand verschwendet daher je einen anderen Gedanken an diese fadenverwobenen Gebilde als die zugegebenermaßen recht entscheidende Frage, ob sie sauber sind oder einer Wäsche bedürfen - und doch bergen sie schon auf den zweiten Blick ungeahnte Geheimnisse. Wer hat es zum Beispiel nicht schon erlebt? Gerade hatte man noch mehr als genug von ihnen im Schrank, da scheinen sie sich auch schon in Luft aufzulösen. Auch das Vereinzeln von zuvor paarweise vorhandenen Socken gehört zu den eigentlich ganz offensichtlich ungeklärten Phänomenen der Sockennatur. Widmen wir also für eine Weile unseren so unscheinbaren Fußwärmern unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, folgen ihren Spuren und tauchen ein in ihre Welt.


Junges Sockentier

Socken scheinen demnach die Fähigkeit zu haben zu verschwinden. Jene, die das paarweise tun, fallen dabei weitaus weniger auf als solche, die einen vereinzelten Partner zurücklassen. In dem einen wie auch in dem anderen Fall nimmt ihre absolute Zahl jedoch ganz eindeutig ab. Schaut man dem Treiben nun einige Wochen tatenlos zu, entsteht nach und nach unweigerlich der immer wiederkehrende Mangelzustand, der bis heute noch allen Ansätzen logischer Erklärungen getrotzt hat. Diese Erklärungsversuche hatten jedoch alle eines gemein: Sie basierten auf der verständlichen, aber irrigen Annahme, Socken seien bloße Materie, also unbelebtes Material ohne eigenen Willen oder Hintersinn. Tatsächlich ist aber das Gegenteil der Fall! Auch handelt es sich keineswegs um Magie, die uns der Socken beraubt, nein. Unsere bahnbrechenden Forschungen der letzten Jahre bestätigen eindeutig, dass es sich bei den sogenannten „Socken“ um eine bislang verkannte Art, ein unauffälliges, in gewissen Teilen seines Lebenszyklusses sehr scheues Lebewesen handelt, welches als Kulturfolger seit hunderten von Jahren mit uns Menschen in einer Art Symbiose lebt, die den meisten von uns allerdings in keiner Weise bewusst ist. Im Folgenden sollen unsere Erkenntnisse kurz skizziert werden, um endlich Licht ins Dunkel der Ereignisse zu bringen.

Was also hat es in Wahrheit mit dem geheimnisvollen Verschwinden der Socken auf sich? Um dies erklären zu können, müssen wir unseren Blick auf die bislang unbekannte Biologie dieser Wesen richten. Betrachten wir den Lebenszyklus der Socken im Detail, so erkennen wir drei Entwicklungsstadien. In den ersten Tagen ihres Seins ähneln Socken nichts so sehr wie einem bloßen Faden. Diese fadenähnlichen Gebilde können, wie auch die späteren Socken selbst, in allen uns bekannten Farben auftreten und auch von unterschiedlicher Dicke sein. Über die nun folgenden Wochen entwickeln sich aus den länger werdenden Fäden allmählich komplexe Gebilde, die zunächst an Schläuche erinnern, um nach schier endlosen Verschlingungen schließlich die uns bekannten Säckchen zu bilden, die wir „Socken“ nennen und uns ungefragt an die Füße stecken. Es ist noch nicht abschließend geklärt, ob dieses Zusammentreffen zwischen Mensch und Sockentier für die Weiterentwicklung der letztendlich possierlichen Tierchen von Bedeutung ist oder es sich schlicht um einen weiteren Akt der Ausnutzung der Natur durch den Menschen handelt.

Die „Socken“ jedenfalls sind nur die Larven des Sockentieres, es ist also ein Zwischenstadium, welches früher oder später eine Metamorphose durchläuft und sich dabei zum eigentlichen Sockentier weiterentwickelt. Dieser Vorgang scheint nach unserem heutigen Kenntnisstand durch fortgesetzte Bewegung in detergentienhaltigem Wasser angetrieben zu werden. Vor allem handelsübliche Waschmaschinen bieten hier ganz offensichtlich ideale Bedingungen.

Hat sich bei einem solchen Waschvorgang nun aus der Larve ein Sockentier entwickelt, tritt es in aller Regel die Flucht über den Abwasserschlauch an, wie traurige Funde missglückter Versuche in Waschmaschinenpumpen nahelegen. Nur in seltenen Ausnahmen verbleiben die fertig entwickelten Tiere in den menschlichen Behausungen – zu traumatisch sind meist die Erfahrungen der Tiere im wehrlosen Sockenstadium.

Stattdessen leben die entkommenen Sockentiere hierzulande oft in großen Kolonien unweit der Dörfer und im Umfeld der Städte im Untergrund. Ein weiterer verbreiteter Irrtum ordnet die vielerorts sichtbaren Hügel lockerer Erde, die aus dem Graben der komplexen Gangsysteme resultieren, einem anderen Lebewesen zu. Tatsächlich sind Maulwürfe aber nur die Nutznießer und Haustiere der vollentwickelten Sockentiere, helfen gut ausgebildet bei den Grabungsarbeiten und vielen frisch entflohenen Socken durch ihre gutmütige Art und ihr Bedürfnis nach Liebe bei der seelischen Verarbeitung der Larvenzeit.


Eines der von uns nachgezogenen Sockentiere in seinem Element.

Da Sockentiere vor allem nachtaktiv und dem Menschen gegenüber verständlicherweise sehr scheu sind, bekommt man sie nur selten zu Gesicht, was den bislang mangelhaften Kenntnisstand der heutigen Forschung erklärt. Die besten Chancen haben Beobachter in sommerlichen Vollmondnächten, da sich die Tiere dann zu ihrem alljährlichen Balzritual an der Erdoberfläche treffen. Gerade auf dicht bevölkerten Wiesen kann man sie dann ihren uralten Tanz tanzen sehen und sich auf die neue Generation von Socken freuen - wobei deren Nutzung nach Meinung der Autorin aus ethischer Sicht grundsätzlich neu überdacht werden müsste. Weitergehende Forschungen werden hier dringend benötigte Erkenntnisse bringen.
 
Hier eine der ganz wenigen Aufnahmen wildlebender Sockentiere, aufgenommen in der gerade vergangenen Vollmondnacht.  
 
Übrigens scheint sich auch ein weiteres geheimnisvolles Phänomen mit Hilfe der Sockenforschung erklären zu lassen. Noch ist es etwas zu früh für dezidierte Angaben, aber es verdichten sich die Hinweise, dass wir schon bald auch die vereinzelten Schuhe am Straßenrand in einem anderen Licht sehen werden. Wir werden zu gegebener Zeit darüber berichten.

Es ist uns gelungen, einzelne Sockentiere von Hand aufzuziehen:

 

Zahmes Sockentier aus Handaufzucht

Die so umsichtig gepflegten Tiere sind zahm und dem Menschen sehr zugetan. Dadurch konnten wir weitere interessante Details über ihr Zusammenleben unter der Erde in Erfahrung bringen und wissen heute, dass sich vollentwickelte, erfahrene Tiere, die wir gerne liebevoll „alte Socken“ nennen, nach ausführlicher Suche und sehr genauem In-Augenschein-nehmen schließlich - bevorzugt lebenslang - binden. Die so vereinten Partner müssen durchaus nicht einer Farbe oder Größe sein, vielmehr vereint sie ein gemeinsamer Sinn für das Schöne im Leben, das Bedürfnis füreinander einzutreten und den Weg gemeinsam durch dick und dünn zu gehen. Man kann es am ehesten mit einem Gleichklang der Seelen bezeichnen, der beide durch die Höhen und Tiefen, die auch in einem Sockenleben vorkommen, zu tragen vermag. In diesem Sinne vereinte Socken erfreuen den Betrachter mit der zumeist von ihnen ausgehenden Ausstrahlung der entspannten Glückseligkeit. Als Zeichen dieser Liebe kommt es dann des Öfteren auch zum ausschließlich paarweisen Entlassen kleiner Geschwisterfäden in die Welt, die damit den Kreis der Entwicklung der Sockentiere schließen und einen neuen Zyklus des Lebens starten.




Freitag, 25. Januar 2019

Det is Paule

Darf ich vorstellen? Paul, Paul Jakobs aus Berlin Pankow.

Paule hat definitiv Charme und daher auch nie Probleme mit der Weiblichkeit aller Gesellschaftsschichten gehabt - trotz seines dezent links-grün-versifften Äußeren, was er übrigens aus voller Überzeugung und mit Stolz trägt.
Paule ist der Älteste der acht Kinder der Jakobs Familie. Paul, oder "Paule", wie ihn seine Freunde nennen, ist ein sehr entspannter Charakter - was vermutlich reine Notwehr ist, wenn man mit sieben jüngeren Geschwistern aufwächst. Seine freidenkenden Eltern haben es möglich gemacht, dass die Kinder sich alle sehr individuell entwickeln und voll und ganz entfalten konnten. So ist Paul heute zwar nicht gerade das, was man sich gemein hin unter "beruflich erfolgreich" vorstellt, aber ausgesprochen zufrieden und glücklich mit dem, was er hat. Für ihn bedeutet "Carpe Diem", jeden Tag zu nehmen, wie er ist und in aller Ruhe das Beste daraus zu machen. Er genießt seine Zeit mit Freunden und Familie, hat für alle immer ein offenes Ohr, jobt, wenn das Geld ausgeht, ist nicht zuletzt ein begeisterter E-Gitarren und E-Bass Spieler sowie ein talentierter Graffitisprayer - in Berlin kann man seine Werke unter dem Pseudonym "Ab Stract" finden. 

Paule in Aktion.
Ihm ist es zu verdanken, dass sich die Jakobsgeschwister immernoch wöchentlich treffen, um gemeinsam Musik zu machen und ihre Erlebnisse auszutauschen. Paules hervorstechenste Eigenschaft ist vielleicht seine Toleranz. Nach seiner Überzeugung ist es ganz selbstverständlich, dass jeder genauso sein darf, wie er oder sie sein möchte, solange niemandem damit wehgetan wird. Mit dieser Einstellung verkörpert er auch das, was unsere Hauptstadt nach meinem Empfinden im Kern ausmacht.


Samstag, 29. Dezember 2018

Der entscheidende Schritt oder warum aus Blumen & Biester Diemelnix Arts wurde

Was ist passiert? Alles sieht anders aus! Ihr verdient eine Erklärung und hier kommt sie:
Wir waren dann mal mutig. „Wir“, das heißt mein Mann Klaus und ich, der ab jetzt auch eine wichtige Rolle in diesem Blog spielen wird. Die Idee war eigentlich schon lange in unseren Köpfen, wir nur immer viel zu beschäftigt, um das Ganze konsequent zu Ende zu denken und vielleicht auch ein wenig zaghaft in Anbetracht der enorm erscheinenden Aufgabe, ABER wir haben es gewagt und mit Diemelnix Arts ein Familienunternehmen gegründet, was unsere Träume, Ideen und geliebten Hobbies vereint und auf ein anderes Level hebt: Wir sind jetzt professionell. 



Was sich dadurch ändert? Nicht viel und doch alles. Nicht viel, da die Anmeldung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts keine große Hürde ist und zunächst auch wenig neue Konsequenzen für den Alltag mit sich bringt. Alles, da unser eigener Anspruch und der Stellenwert unserer Arbeit vor unserem eigenen Auge ein ganz anderer ist und sie so endlich den Raum bekommt, den sie schon lange verdient.
Es ist ein riesengroßes Abenteuer voller Möglichkeiten, bei dem man sich selbstverständlich auch Beulen holt, aber der Lernprozess, der durch den ein oder anderen seelischen blauen Fleck einsetzt, macht das Ganze Schritt für Schritt nur besser. Wir haben in den vergangenen Jahren bereits einige Erfahrungen in den Bereichen Theater, Musik und Tanz, Charakterdesign und Puppenbau, Lehre von Kindern, dem Schreiben von Geschichten, Liedertexten und Theaterstücken, aber auch dem Komponieren von Musik gesammelt und sind sicher keine Anfänger, aber unser Gesamtkonzept, wir beide auch als künstlerische Kombination, ist neu. 
Wir erdenken Geschichten, die in Kombination mit Fotografie und Musik eine dichte Atmosphäre schaffen möchten, in der Phantasie und Wirklichkeit verschmelzen. Besonders fasziniert uns hierbei unsere Heimat Nordhessen, die bis heute nichts von ihrer märchenhaften Wirkung verloren hat. Dabei nutzen wir unsere Klappmaulpuppen als lebendig gewordene Hauptdarsteller, die die Grenze zwischen Phantasie und Wirklichkeit mühelos zu überschreiten im Stande sind. Man darf gespannt sein. Ich hoffe, Ihr seid es auch!

Dienstag, 8. August 2017

Türen öffnen... oder wie zum Donner fängt man an, Klappmaulpuppen zu bauen?

Gibt es etwas, das Ihr schon immer tun wolltet, aber Ihr wißt nicht so recht, wie man das Ganze anfängt? Ihr wollt Teil dieser Materie werden, lernen, verstehen, mitmachen, aber Ihr findet keine Tür zu diesem Universum oder wenn Ihr dann doch eine gefunden habt, hat der Raum dahinter viele neue Türen und ist so groß und unüberschaubar, dass Ihr kaum erkennen könnt, wo Ihr langgehen müßt, um Euer Ziel zu erreichen? So ging es mir zu Beginn mit den Handpuppen. Falls es Euch diesem Gebiet ähnlich gehen sollte, kann ich vielleicht ein wenig helfen.

Blacky, die fröhliche Fledermaus meiner Tochter, ist in Anlehnung an das "Glorified Sockpuppet" Schnittmuster von Project Puppet entstanden.

Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, bin ich seit frühester Kindheit Muppets-infiziert, was mir wohl den Wunsch in die Seele geschrieben hat, meine eigenen Figuren auf diese Art und Weise zum Leben zu erwecken. Ich besuche nicht gerne Kurse, sondern bringe mir Dinge lieber selber mit Hilfe von Büchern und Internet bei, weil ich mir die Zeit dann frei einteilen und die Quellen nutzen kann, die ich am besten verstehe oder die zu meinen Ansprüchen passen. Das funktioniert auch bei diesem Thema einigermaßen, wenn man gründlich nach guten Anleitungen sucht. Allerdings ist es nicht so, dass man hier gleichermaßen viele begeistert Bücher schreibende, bloggende oder vloggende Kreative hat wie im Nähsektor. Zudem ist Puppenbau auch eine Zusammenstellung von so vielen ganz verschiedenen Techniken, die auch von Puppenbauer zu Puppenbauer durchaus variieren, dass es lange dauert und auch durchaus Geld verschlingt, einen gewissen Überblick zu gewinnen und die richtigen Werkzeuge und Materialien zusammenzubringen, um schließlich ganz am Ende auch noch einen eigenen Stil zu finden.

Recht leicht umzusetzen, günstig und mit etwas Fantasie auch sehr variabel - verschiedene Varianten des "Glorified sockpuppet" Schnittmusters von Project Puppet.

Obwohl ich selbst einige Bücher zum Thema Puppenbau besitze, würde ich für den erwachsenen Anfänger, dessen Ziel muppetähnliche Figuren sind, keines von ihnen empfehlen. Für das Basteln mit Kindern gibt es einige nette Exemplare, die ich im nächsten Post mit unterbringen werde. Ich kenne aber leider kein noch frei verkäufliches Buch, dass den Bau der Klappmaulpuppen - wenn überhaupt - so anschaulich erklärt, dass man als Einsteiger eine Chance hat, den Ausführungen zu folgen. Meiner Ansicht nach braucht es hier zumindest sehr viele Bilder, besser Videos, die die Abläufe deutlich zeigen, sonst bleiben zu viele Fragen offen. Also landen wir bei Youtube. Es ist wie immer hier auch viel Halbgares unterwegs - schaut Euch die Anleitungen bis zum Ende an, aber entscheidet bitte erst nach mindestens vier bis fünf verschiedenen, was Euch plausibel und passend für Euch selbst vorkommt. Es ist sehr hilfreich hierfür des Englischen mächtig sein, denn gute deutsche Anleitungen sind wahre Raritäten - klärt mich auf, wenn Ihr da Brauchbares gefunden habt. Der entscheidende Suchbegriff ist hier "Puppet" oder eben "Klappmaulpuppe". Von den Youtube Kanälen, die ich durchforstet habe, finde ich den von Adam Kreutinger für Anfänger am besten geeignet. Seit kurzem hat er auch ein Schritt-für-Schritt Tutorial zum Thema Puppenbau veröffentlicht und zusätzlich dazu auf seiner Homepage ein kostenloses Schnittmuster zum Ausprobieren.
Die Schnittmuster von Project Puppet sind zwar nicht kostenlos, aber sehr gut solange man sich noch nicht an eigene Muster wagt. Dort gibt es regelmäßig Aktionspreise mit 20% Nachlass - da heißt es sich auf die Lauer zu legen und zu warten. Die Anleitungen von Adam Kreutinger helfen auch sehr bei der Umsetzung der Project Puppet Muster.
Aufbauend auf den Erfahrungen, die Ihr dann habt, lohnt es sich auch z.B. über Pinterest Bilder von Puppen in verschiedenen Stadien des Baus oder auch solche von fertigen Puppen zu sammeln und auszuwerten.
Man kann den Weg durch das Universum des Puppenbaus aber tatsächlich enorm abkürzen, indem man Zugang zu jemandem bekommt, der hier schon alles erreicht hat - idealerweise jemanden wie Norman Schneider, der als der Figurenschneider seit vielen Jahren mit seinen Figuren Theater-, Fernsehproduktionen und vieles mehr zum Leben erweckt und sie zudem auch noch professionell spielt. Ich hatte das große Glück, eine Woche in seinem Atelier mitbauen zu dürfen - da flogen die Türen in meinem Kopf nur so auf und ich profitiere auch heute, fast ein Jahr später, noch davon. Mit eigenen Augen zu sehen, wie seine Figuren entstehen, welche Techniken und Werkzeuge zum Einsatz kommen, was er verarbeitet, wie er ein neues Projekt angeht, hat die unendlich vielen Fragen, die ich noch hatte, enorm reduziert - ganz abgesehen davon, dass er und seine Assistentin Maria ausgesprochen liebenswerte Menschen sind, die ich mich sehr glücklich schätze getroffen zu haben. Er gibt hin und wieder Workshops, die auf seiner oben erwähnten Seite oder bei Facebook zu finden sind. Ich kann sie jedem ernsthaft Interessierten nur ganz nah ans Herz legen - sie sind jeden Einsatz wert.

Der große Wasserdrache Diemelnix in der Bildmitte hat sein Leben im Atelier des Figurenschneiders und unter seiner Anleitung begonnen. Die beiden anderen sind die Vorzeige- und Mitbaupuppen nach eigenem Schnittmuster aus meinem Puppenbaukurs an der hiesigen Grundschule.

 Ansonsten ist es natürlich wie überall: Traut Euch, legt los, macht Fehler, habt ein bisschen Geduld und lernt. Selbst wenn nicht alles gleich funktioniert, sind meist auch schon die frühen Ergebnisse auf ihre eigene, manchmal vielleicht etwas schrullige Art liebenswert und nichts schult so sehr wie ein eigenes Projekt. In diesem Sinne: Viel Spaß!


P.S.: Bei Fragen könnt Ihr mich gerne kontaktieren, z.B. auch über meine Facebookseite oben rechts.

Mittwoch, 25. Januar 2017

Aus Träumen werden Pläne, aus Plänen Realität

Schon als Kind wollte ich mein eigenes Puppentheater haben - so ein richtiges mit viel Platz und Licht und Kulissen. O.k. - so weit so gut, aber heutzutage sollte es bitteschön auch noch transportabel sowie relativ leicht auf- und abzubauen sein und im abgebauten Zustand nicht allzu viel Platz wegnehmen. Die ersten technischen Zeichnungen wurden erstellt, bearbeitet und verworfen, neue gemacht, Materialien gekauft, gebaut, umgeplant und angepaßt. Frei nach dem Motto "Dem Ingenieur ist nichts zu schwör!" nahm mein Mann zusammen mit mir die Herausforderung an und herausgekommen ist das:

Bereits in der Endphase des Baus wurde das Puppentheater bezogen. Fledderick macht einen ganz zufriedenen Eindruck wie ich finde.
Mit ihrer 2 Meter breiten Spielfläche bietet die Bühne zeitgleich Platz für einige Kinder oder Erwachsene. Das Spielbrett ist höhenverstellbar und läßt sich so an die Körpergröße der Puppenspieler oder besondere Gegebenheiten des Aufführungsortes oder des gespielten Stückes anpassen. Die vier einzeln oder auch gemeinsam zu schaltenden Spotstrahler bieten einige Möglichkeiten Beleuchtungseffekte einzubringen und in mehreren Reihen aufzuhängende Kulissen können der Bühne Tiefe verleihen. In Einzelteile zerlegt paßt sie in einen größeren Kombi und ist in ungefähr 10 Minuten aufzustellen und auch wieder auseinanderzunehmen. Eine erste Bewährungsprobe hat die Bühne gut hinter sich gebracht und wir feilen weiter an ihr.

Dienstag, 24. Januar 2017

Macht Euch auf die Socken Socken!

Das zweite Projekt unserer Grundschul-AG waren die guten alten Sockenpuppen. Hierfür habe ich aufgrund des fellähnlichen Charakters Kuschelsocken in vielen verschiedenen Farben besorgt - die, die nicht auserwählt und zum Leben erweckt wurden, weilen heute noch an verschiedensten Familienfüßen und warten auf ihre Chance. Die meisten, die den Sprung in ihre neue Daseinsform geschafft haben, könnt Ihr hier sehen:

 
Tatsächlich glaube ich mittlerweile, dass wir hiermit auch den Grund für das scheinbare Verschwinden vieler Socken und Strümpfe bzw. das einzelne Verbleiben ihrer Partner gefunden haben. Es handelt sich bei Socken und Strümpfen nämlich um nichts weiter als das Larvenstadium der Sockenpuppen - ähnlich wie bei Raupe und Schmetterling. Wenn der Zeitpunkt der Metamorphose gekommen ist, vermutlich ausgelöst durch einen Aufenthalt in der Waschmaschine, machen sich die frischgebackenen Sockenpuppen mit dem Abwasser aus dem Staub und leben ein geheimes Leben im Untergrund oder in weit entfernten Ländern tief im Süden. Diese Theorie wird untermauert durch Funde im Zusammenhang mit mißglückten Fluchtversuchen, die tragischerweise sowohl Socke als auch Waschmaschinenpumpe das Leben kosteten. In unserem Kurs nun haben wir es aber geschafft, die Metamorphose risikolos umzusetzen und die entstandenen Sockenpuppen zum Bleiben zu überreden. Möglicherweise ergeben sich so auch ganz neue Perspektiven für die private Sockenhaltung und -nachzucht. Unsere noch sehr jungen Exemplare hier wollten aber vor allem eins: spielen! Und das durften sie auch. Im Rahmen unserer Adventsaufführung zeigten sie allerdings auch viel Disziplin und stellten in kürzester Zeit das etwa viertelstündige selbst verfasste Stück "Weihnachten für Anfänger" mit großem Erfolg auf die Beine.

Montag, 23. Januar 2017

Raupen raupen...

Seit Oktober letzten Jahres leite ich eine AG an der hiesigen Grundschule zum Thema Puppenbau und Figurentheater. Daran nehmen 19 Kinder der dritten und vierten Klasse teil, eine gute Mischung aus 9 Jungs und 10 Mädchen. Seit Beginn haben wir drei Puppenbauprojekte sowie ein Figurentheaterstück umgesetzt und bauen jetzt an unserem vierten und größten Projekt, einer Klappmaulpuppe, was uns sicher noch bis zu den Osterferien beschäftigen wird. Es macht riesigen Spaß, den Kindern Raum für ihre kreativen Ideen zu geben und weitestgehend auch möglich zu machen, diese Ideen dann umzusetzen. Die Kinder begeistern mich immer wieder mit ihrem Engagement und ihrer Phantasie, die oft noch so herrlich ungebremst ist.

Unser erstes Projekt war eine Stabpuppe in Form einer Raupe. Um vor dem geistigen Auge der Kinder eine möglichst individuelle Puppe mit viel Persönlichkeit entstehen zu lassen, war es zunächst Aufgabe, einen Steckbrief zu ihrer Raupe zu schreiben und einen Entwurf zu zeichnen.

Einige Beispiele aus der Stabraupenkolonie (sie wurden nach Beendigung des Projektes selbstverständlich in die Freiheit entlassen und tummeln sich nun vermutlich in diversen Gärten, so zum Beispiel in dem vom zehnten Meer).


Um die unwahrscheinlich große Menge an Möglichkeiten beim Thema Raupe deutlich zu machen, habe ich den Kindern Bilder von echten Raupen gezeigt. Ich kann nur jedem empfehlen, sich da im Netz umzuschauen. DEN Designer möchte ich mal treffen, der all diese irren Modelle zu verantworten hat - man kann sich kaum mehr einfallen lassen, als da schon verwirklicht wurde. Die Bewegungen der Raupen, die später für das Spiel mit der Puppe wichtig werden würden, haben wir uns dann anhand zweier kurzer Videos angesehen und besprochen. Zusätzlich hatte ich einige fertiggestellte Stabraupen dabei, um den Kindern auch eine Vorstellung vom fertigen Projekt zu geben. Nach dem Erstellen von Steckbrief und Entwurf ging es an die Arbeit mit dem Schaumstoff, der vom Quader in eine Raupenform gebracht, also mit der Schere "geschnitzt" werden sollte. Mir war es dabei wichtig, dass die Kinder das Material kennenlernen, da es in Teilen des Puppenbaus eine wichtige Rolle spielt. Gleichzeitig wollte ich die Kinder mit ihren motorischen Fähigkeiten einschätzen lernen. Dann wurde der Schaumstoff mit Filzstiften den Entwürfen entsprechend bemalt, mit verschiedenfarbigen Borsten von Handfegern oder Kunstfellabschnitten beklebt und Glasaugen oder Perlen als Augen angebracht. Zuletzt befestigten wir aus schwarzen Drahtkleiderbügeln geformte Führungsstäbe im vorderen und hinteren Ende der Puppe und probierten ihre Beweglichkeit aus. Im Sitzkreis durfte dann jeder seine Raupe mit ihrer Geschichte vorstellen, was teilweise sehr ausführlich und in jedem Fall unterhaltsam genutzt wurde - eigentlich sollte man direkt ein kleines Raupengeschichtenbuch herausbringen, so viele tolle Einfälle wurden dort von den Kindern zusammengetragen. Das ganze Projekt dauerte zwei Doppelstunden. Die Möglichkeit zu Hause kleine Videos mit den Raupen zu drehen und sie im Unterricht vorzustellen wurde leider kaum angenommen (ein Beispiel ist unten zu sehen), aber sie bekamen einen kleinen Auftritt in unserem Weihnachtsstück.


Donnerstag, 15. September 2016

Die Monster sind los!

Ich sage es besser gleich: Hier hat sich einiges verändert, seit ich das letzte Mal über das Thema Nähen geschrieben habe. Damals war ich noch voller Unschuld der Meinung, die Sache im Griff zu haben. Naiv, ja, ja. In den letzten Monaten musste ich dann auch erkennen, dass ich mich in diesem Punkt vollkommen und  tiefgreifend geirrt hatte - SIE hat MICH im Griff und die bunten, ungezähmten Produkte meiner verdrehten Gehirnwindungen haben hier inzwischen längst das Zepter übernommen (ich wünschte, sie würden auch den Haushalt schmeißen, aber DAS haben sie unglücklicherweise bislang noch mir überlassen). Überlege gut, wem Du Augen gibst, sage ich nur...

Spot, Albert und Fledderick - die Neuen im Garten des zehnten Meeres
Was ist passiert? Waren es die Woomahoos? Auch. Hatte der sehr engagierte Albert damit zu tun (man sieht ihn hier auf einem Foto bei einer seiner gesundheitspolitischen Aktionen)? Bestimmt. Fing es vielleicht mit den Gorgies an? Hier, hier und hier ist ihre Entwicklung nachzulesen und JA! Sie haben ganz sicher etwas ins Rollen gebracht. Mit ein bisschen Weitsicht hätte man gerade hier erkennen können, dass allein schon diese Spezies niemals mit Stillstand zufrieden sein würde, nein, sich entwickeln MUSSTE. Dass das bei ihrem gierigen, kompromisslosen Charakter heikel werden könnte, hätte man zumindest erahnen können. Aber nein, betriebsblind wie ich war experimentierte ich weiter. Tja, auch Frankenstein hat seine Kreaturen einst geliebt und die möglichen Folgen seiner Arbeit sehr lange ignoriert. Nun ist das zehnte Meer annektiert. Doch malen wir das Monster nicht an die Wand - bislang gehört Ihnen NUR das zehnte Meer, der Ort an dem wir wohnen. Sicherlich werden wir sie hier eindämmen können, sollte das notwendig sein... denke ich... doch, bestimmt... na gut, einige wurden schon in Berlin gesichtet... andere in Toronto... aber das war jetzt auch alles, glaube ich... ach wartet... in Polen noch, da ist auch einer entlaufen... ähm... ja, in die Schweiz sind sie auch vorgedrungen... mmh...

Schon während ihrer Entstehung mußte man bei den Gorgies - hier eigentlich noch sicher in Stickfolie verpackt - immer aufpassen. Bisswunden waren keine Seltenheit.
Naja, wenn man ehrlich ist, hatte sich das Ganze schon weitaus früher angekündigt, nämlich in diesem Moment in grauer, grauer Vorzeit, als mich im Alter von knapp drei Jahren Amors Pfeil zum allerersten Mal traf und das Opfer meines ersten großen amurösen Engagements ausgerechnet ein Frosch war. Nein, nicht der aus dem Brunnen - ein bisschen moderner war ich schon - der aus der Muppetsshow... oder Sesamstrasse... ganz wie Ihr wollt: Kermit - höflich, freundlich, diplomatisch, kreativ und intelligent, immer das Gute in seinem Gegenüber sehend. Er ist eine pädagogisch höchst wertvolle Lehrkraft, zusätzlich als freier Journalist, Entertainer, Schauspieler und Sänger tätig und von einem UNSCHLAGBAR SCHÖNEN GRÜN - was auf den ersten Blick wie merkwürdiger Geschmack anmuten mag, lässt sich insgesamt dann doch sehr gut begründen, wie ich finde. Natürlich war es aber leider eine tragische Liebe - Ihr kennt alle dieses Schwein. Irgendwann mußte auch ich erkennen, dass es an IHR kein Vorbeikommen gab.

Da denkste, Du hast ein Stillkissen und plötzlich schlüpft daraus ein riesen Drache... So sieht es aus in unserem Leben.
Wie alle Drachen brauchte er eine Aufgabe und war außerdem einfach zu gefräßig für unser Budget. Er wurde nebst größerem Reiseproviant nach Berlin in beste Hände gegeben, um dort auf sein eigenes Kind aufzupassen, was er seitdem mit größtem Erfolg tut.
 Ich begann dann stattdessen, eigene Wesen zu entdecken, die irgendwie in meinem Kopf geboren zu werden schienen...oder war ich nur ihre Tür in diese Welt? Es regen sich doch arge Zweifel in mir, ob ich wenigstens im Bereich der Monsterschöpfung die Leitung habe oder auch hier nicht mehr als ein Erfüllungsgehilfe bin - auf jeden Fall war ich seit diesem Zeitpunkt nie mehr wirklich allein. Sie waren von nun an immer bei mir, in meinem Kopf, um mich herum - egal wohin ich ging. Sie wollten gezeichnet werden, genäht, wollten diskutieren, kuscheln, dabei sein - auch wenn es noch so unpassend war - machten ständig sarkastisch trockene Kommentare aus dem Hintergrund, tanzten mit mir beim Kochen durch die Küche oder schenkten mir durch ihre lächelnde Gegenwart einfach Seelenruhe. Ist es eine Form von Wahnsinn? Vielleicht. Wahrscheinlich. Aber selbst wenn, dann gebe ich ihn NIE, NIE WIEDER HER.

Immer hilfsbereit zur Stelle - unsere Bummbies, ihres Zeichens Türsteher.
Ja, bei Kermit lag der Anfang. Es dauerte eine Weile, einige Jahre gingen ins Land, doch dann schlug die Liebe zum Frosch in Bewunderung für seinen Erschaffer um. Jim Henson hat der Welt ein Geschenk gemacht, vor allem, aber durchaus nicht nur den Kindern. Er hat Menschen aller Altersklassen erfreut, sie auf sanfte und humorvolle Art miterzogen, die andersartigsten Wesen zusammenarbeiten lassen, Brücken gebaut und Liebe verbreitet. In meinem bunten Herzen wird er immer seinen Platz haben. Seit damals wollte ich tun, was er tat und trotz all der Umwege, auf die mich mein Leben geschickt hat, habe ich die Monster im Kopf nie gehen lassen, sondern sie von zweidimensionalen Zeichnungen allmählich dreidimensionaler werden lassen - UND JETZT ENDLICH ist es an der Zeit, sie in Lebensgröße, echtem 3D, der Sprache fähig und zum Anfassen in diese Welt zu holen!!! DER DAMM IST GEBROCHEN!!!

Spätestens dann wird Dir klar - ETWAS in Deinem Haus hat sich verändert... Spülen nicht vergessen Fledderick, ja?
Dachte ich. Und nun? Jetzt sind sie da. Als wäre es kein weiter Weg gewesen, sondern das einfachste auf der Welt. Und es werden ständig mehr. Der Zauberlehrling kommt mir in den Sinn und ich fürchte mich ein bisschen, doch muss ich sagen, dass sich trotz aller äußerlichen Fremdartigkeiten, trotz des Zusammentreffens ganz unterschiedlicher Kulturen die allermeisten Wesen im Grunde ihrer Seele nicht wirklich von uns unterscheiden. Eigentlich ist es sogar ungeheuer spannend, bereichernd und lehrreich, sie hier zu haben und wenn sie sich dafür ein bisschen von unserem Lebensraum nehmen und etwas Durcheinander stiften, dann ist das sehr in Ordnung - wir hier im zehnten Meer haben von allem mehr als genug und teilen gerne. Vielleicht habe ich - seit sie nun auch stofflich präsent sind - nicht mehr alles so unter Kontrolle - aber unter uns: Wer hat das in Wirklichkeit schon? Und der Versuch gegen das ganz natürliche Chaos mit allzu strikten Regeln anzugehen, ist ein Kampf gegen Windmühlen, erstickt oft auch jede Kreativität sowie möglicherweise hilfreiche Zufallsereignisse im Keim und ist damit meines Erachtens nach auch nicht immer sinnvoll. Unser Leben ist also ein bisschen bunter und wilder geworden, aber wir auch gelassener. Und das ist gut so. Daher schieben wir jetzt die dezente Angst vor der vermutlich aufregenden Zukunft beiseite und freuen uns auf die gemeinsame Zeit mit den vielen neuen Charakteren in unserem Heim.

Spot hilft mir in meiner Monsterküche - immer mit einem Lächeln auf den Lippen :-)
Ich werde Euch in den nächsten Posts die Monster einzeln (sofern sie mich lassen) fertig und z.T. auch in ihrer Entstehung vorstellen und wenn Ihr Lust habt, könnt Ihr mich begleiten, wenn ich im nächsten Monat anfange, meinen ersten Puppenbaukurs an der hiesigen Grundschule zu geben. Hmm? Ja. Ich verbreite sie ungeniert weiter, stimmt. Doc Frankenstein halt... eigentlich glaube ich aber auch wirklich nicht, dass sie jemandem tiefgreifender schaden könnten, doch solltet Ihr andere Informationen haben, meldet Euch bitte bei mir, dann schalten wir umgehend den Monsterflüsterer ein.

In diesem Sinne HERZLICH WILLKOMMEN im neuen alten Blumenladen ihr Monster und alle, die Ihr Spaß daran habt!

Liebe RUMS-Gemeinde - ich glaube, ich habe noch nie etwas so sehr für mich gemacht, wie diese Klappmaulmonsterpuppen :-)

Eure Tanja

Donnerstag, 5. Mai 2016

Wieder zurück - es war eine lange Reise

Manchmal löst sich Dein Alltag in nichts auf. Bei dem einen geschieht das ganz plötzlich, vielleicht durch ein traumatisierendes Ereignis, bei uns hingegen kam es zunächst eher schleichend, ganz langsam, bis schließlich nichts mehr übrig war von dieser gemütlich vertrauten Grauheit des ganz normalen Lebens. Es war die Erkrankung unserer ältesten Tochter, die uns aus der Bahn warf. Die Borreliose kam leise in unser Leben, zunächst unmerklich und erst nach Monaten allmählich stärkere Schatten werfend, um unser Kind nach und nach immer tiefer in einen Abgrund voller Schmerzen, Erschöpfung und Depressionen zu ziehen. All die tausend kleinen Dinge, die einem im täglichen Leben sonst so belastend erscheinen, verblassen in solchen Situationen und was bleibt ist diese alles umfassende Sorge um dein Kind, die dir den Schlaf raubt und dich unentwegt begleitet, egal was du tust, mal mehr im Vordergrund, mal im Hintergrund, aber immer präsent.

Darf ich Euch Albert vorstellen? Über ihn wird noch zu berichten sein. Hier hilft er mir ganz selbstlos, eine wichtige Botschaft zu vermitteln.


Im Alter von vier Jahren, im Jahr 2008, wurde unser Kind in unserem eigenen Garten durch eine Zecke nachweislich mit Borreliose, Lyme Disease, infiziert. Sie gehörte zu den Fällen, in denen die bekannte Wanderröte auftrat, was durchaus nicht immer der Fall ist, wie man heute weiß. Auch grippeähnliche Symptome waren vorhanden, es bestand kein Zweifel an der Diagnose. Wir erhielten vom Kinderarzt zunächst ein Antibiotikum für eine Woche, nach etwas Kampf auch für zwei, was selbst nach heutigen strengen Standarts doch sehr auf der kurzen Seite liegt. Sie schien gesund zu werden - nicht untypisch für viele uns heute bekannte Fälle dieser Erkrankung. Erst Monate später begann der eigentliche Leidensweg mit massiven, fast täglich auftretenden Kopfschmerzen, Schmerzen in den Beinen und Füßen, die sehr kurzfristig auftreten und wieder verschwinden konnten und ein Gehen ohne Krücken sehr plötzlich unmöglich machen konnetn. Entzündungsprozesse an verschiedenen Körperregionen wie Augen, Hals und Blase traten auf. Sie bekam Konzentrationsschwierigkeiten, die eine normale Beteiligung an der Schule immer schwieriger werden ließen. Hinzu kamen nach und nach stärker werdende Depressionen, z.T. aggressives Verhalten anderen gegenüber und eine so tiefe Erschöpfung, dass sie am Ende nur noch vom Sofa zum Bett kam. Sie weinte fast jeden Abend und wußte nach eigener Aussage nicht, warum.

Je länger dieser Zustand andauerte, desto größer wurden auch unsere Zweifel an uns selbst, aber auch die der Umwelt an uns und unserem Kind. Nicht wenige sahen in unserem Kind ein psychisch stark gestörtes Mädchen, dem es vielleicht an konsequenter Erziehung fehlte, aber nicht einen an einem bakteriellen Infekt leidenden Menschen. Wir Eltern haben die Anfänge auch nicht sofort verstanden. Natürlich haben wir, wie die Ärzte, zunächst nach "einfachen" Erklärungen gesucht. Es gab symptomatische Behandlungen, Blutuntersuchungen, EEG, MRT, Besuche bei Psychotherapeuten, Entspannungskurse, Nachhilfe, Unterredungen mit Lehrern, verschiedenste Erziehungsversuche... Nichts half dauerhaft, der Zustand unseres Kindes wurde von Monat zu Monat schlechter. Wir haben die Aussagen unseres Kindes lange angezweifelt, lange wie die Ärzte auch selbst vermutet, dass doch eine psychische Ursache hinter allem stecken könnte, auch wenn zwei von uns kontaktierte Psychologen keinen Anlass fanden, uns in dieser Meinung zu bestärken. Wir haben zu lange gezweifelt, denn wirklich helfen konnten wir unserer Tochter erst, als wir endlich angefangen haben, ihr schlicht und einfach zu glauben, wenn sie sagte, es sei eigentlich alles gut, sie sei nur krank, und anfingen nach einer körperlichen Ursache zu suchen. Unsere Große hat uns verziehen, aber es wird mir ewig leid tun, nicht schneller wirklich hinter ihr gestanden zu haben. Die Kinderärzte hatten uns zu diesem Zeitpunkt bereits aufgegeben bzw. vermuteten weiter hartnäckig eine psychische Ursache
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Wir haben recherchiert, nachgefragt, gerätselt, gezweifelt, gesucht und schließlich unseren Strohhalm gefunden. Erfahrungsberichte anderer Borrelioseerkrankter im Internet hatten so große Ähnlichkeit mit unseren eigenen, dass wir weitere Nachforschungen anstellten, mit Erkrankten in Kontakt traten, uns tiefergreifend informierten. Der Verdacht erhärtete sich immer mehr und danach ging alles recht schnell. Aufgrund einer von Betroffenen erstellten Liste im Netz mit Ärzten, die Borreliose als mögliche Ursache für einen solchen Symptomenkomplex ernst nehmen (http://www.borreliose24.de/aerzteliste.html), haben wir unseren Arzt gefunden, der schließlich die Borreliose und als Coinfektion zusätzlich eine akute Yersiniose - in dieser Form eine meldepflichtige Erkrankung in Deutschland - feststellte. Dafür mußten wir die etwa 300,- Euro teuren Tests selbst bezahlen. Diese Nachweise können sich sicher nicht alle leisten und daher ist das so ganz und gar nicht in Ordnung. Es ist bekannt, dass der allgemein anerkannte Test für Borreliose sehr oft nicht ins Schwarze trifft. Leider gibt es noch keinen 100%ig erfolgreichen Test als Ersatz, da immer nur die Antikörper gegen den Borrelioseerreger und nicht der Erreger selbst getestet werden, Antikörper aber nicht in allen Fällen produziert werden. Aber es gibt doch deutlich bessere Testverfahren, als den von der Krankenkasse bezahlten. Unser Kind konnte so jedenfalls endlich diagnostiziert und dann auch therapiert werden. 

Auch für das Befürworten der umstrittenen Antibiotikatherapie wurden wir massiv angegriffen, v.a. von einem Kinderarzt, der uns eine Viertelstunde kannte und nun, vermutlich vorgeprägt durch ein Gespräch mit dem von uns im Vorfeld verlassenen erfolglosen Kinderarzt, von der Vermutung einer psychischen Erkrankung der Tochter auf eine der Mutter als Ursache für das Dilemma umschwenkte. Dieser Mann hat sogar versucht, uns massiv zu schaden und die Therapie zu verhindern, aber glücklicherweise hatte er keinen Erfolg mit seinem Verhalten. Ich wünsche ihm Erkenntnis auf möglichst schmerzlose Weise, auch wenn mir das manchmal schwerfällt. 
Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden: Antibiotika sind sehr wertvolle Arzneimittel, die meiner Ansicht nach in vielen Fällen immernoch viel zu leichtfertig verschrieben oder skandalöser Weise sogar in der Futtermittelindustrie als Zusätze eingesetzt werden. Ihre Einnahme kann starke Nebenwirkungen haben und muß immer ganz genau abgewogen werden. Wir sollten diese Medikamente in Ehren halten und nur nach guter Diagnostik im Notfall einsetzen. Aber das hier war für mich ganz klar ein solcher. 

Meine Tochter bekam die monatelang andauernde Antibiotikatherapie, stand sie durch, was durchaus nicht einfach war, und wurde gesund. Sie ist eine große Kämpferin und ich bin ungeheuer stolz auf sie.
Wir haben gekämpft und wir haben gewonnen. Unsere Große hatte das Glück am Ende richtig therapiert zu werden und ist nun seit mittlerweile mehr als 2 Jahren gesund. Sie hat die Defizite, mit denen sie in den Jahren der fortschreitenden Erkrankung zunehmend leben mußte, alle aufgeholt. Sie ist inzwischen größer als ihre Mutter, wunderschön, lebt sich in ihren Hobbys aus, ist gut in der Schule und vor allem ist sie wieder sie selbst und glücklich. Damit geht es uns besser als vielen anderen, die auch heute noch um die bloße Anerkennung ihrer Erkrankung und eine funktionierende Therapie kämpfen müssen. Diese Kämpfe kosten unwahrscheinlich viel Kraft, die gerade Betroffene oft gar nicht mehr haben  und sie hinterlassen Spuren, die auch uns wohl noch eine Weile begleiten werden. 

Man lernt viel über unser System in solchen Zeiten, vieles, was man gar nicht wissen wollte. Man lernt auch sehr viel über Menschen - Gutes und leider auch sehr Schlechtes. Es sind äußerst prägende Erlebnisse in dieser verwundbaren Zeit, die man nie mehr vergisst, auch wenn die Wunden nach und nach heilen.

Wir empfinden es als unhaltbaren Zustand, dass so viele Menschen auch heute noch als Simulanten oder psychisch Erkrankte hingestellt werden, anstatt die sich immer mehr häufenden Hinweise auf eine chronisch verlaufende Form der Borreliose mit einer wesentlich breiter gefassten Symptomatik als der bislang allerseits anerkannten ernst zu nehmen und in Betracht zu ziehen. Sicher trifft diese Diagnose nicht auf alle Verdachtsfälle zu, aber Borreliose ist auch nicht selten und wir sehen keinen Grund, nicht wenigstens eine vernünftige Diagnostik mit besseren Tests und in Einbeziehung der klinischen Symptomatik einzuführen. Borreliose und ihre Co-Infektionen können einen sehr ernsten Verlauf nehmen und geholfen werden kann erst dann, wenn sich das Wissen darum überall durchsetzt. 

Jetzt im Mai, dem Lyme Disease Awareness Month, machen wieder weltweit Gruppen mit Aktionen von Informationsständen über Konzerte, bis hin zur Beleuchtung der Niagarafälle in Lyme-Grün auf die Problematik aufmerksam und versuchen aufzuklären. Es sind auch viele Prominente mit dabei, die die Borreliose an sich selbst oder in ihrem direkten Umfeld kennenlernen mußten. Einer dieser Gruppen, OnLyme-Aktion.org, sind wir zutiefst verbunden, da sie uns durch die schlimmste Zeit geholfen hat und ihre Mitglieder trotz eigener Erkrankung immer da waren, wenn man sie brauchte. Sie sind auch der Grund, warum ich heute beschlossen habe, wieder an diesem Blog zu schreiben, auch wenn mir beim Gedanken an die damalige Zeit immernoch die Hände zittern. Ich kann dem Mißstand diese Erkrankung betreffend nach unseren Erfahrungen nicht einfach nur zusehen. Ich bin maßlos enttäuscht davon, wie man auch in einem an sich in weiten Teilen guten System unverschuldet so nach unten hindurchrutschen kann. Hier muß nachgebessert werden. Ich kann die "Onlymies" all denen nur empfehlen, die Fragen in bezug auf Borreliose und ihre Coinfektionen haben. Sie sind sehr gut informiert, engagiert und haben sich erstaunlicherweise eine ganze Menge Humor bewahrt, der in solchen Krisenzeiten auch sehr wohltuend sein kann. Man kann sie hier finden http://onlyme-aktion.org/. Ich bin ihnen für immer dankbar für ihr großes Engagement und ihre Anteilnahme am Fall unserer Tochter. 

An alle da draußen: Seid so lieb und schützt Euch und Eure Kinder vor Zeckenstichen - wir gehen auch weiter hinaus ins Grüne, das lassen wir uns auch von den kleinen Biestern nicht nehmen, wir lassen allerdings deutlich mehr Vorsicht walten. Hier ein guter Leitfaden dazu http://onlyme-aktion.org/informieren-2/zeckenstich-tipps-zur-vorbeugung/ und wenn es doch einmal so weit kommt, dass so ein kleiner fieser Quälgeist angedockt hat, ist das zwar nicht gleich ein Grund zur Panik, da erstens nicht alle Zecken infiziert sind und auch viele Infektionen harmlos ablaufen, aber es ist durchaus ein Grund, schnell zu handeln, sich selbst umfassend zu informieren und ganz genau hinzuschauen, damit es Euch im schlimmsten Fall nicht so geht wie uns oder noch heftigeren, noch schwerer zu therapierenden Fällen.

Habt bitte Verständnis dafür, dass ich die Kommentarfunktion für diesen Post ausschalte. Auch wenn ich inzwischen sicher davon ausgehe, dass wir die Borreliose und Yersiniose hinter uns gelassen haben, ist doch mein persönliches Nervensystem erst nach dem Ende der eigentlichen Erkrankungsphase abgestürzt und heilt noch so vor sich hin. Das wird noch eine Weile dauern. Aber - hey - ich bin wieder da und weitestgehend ist noch alles dran! Das Leben geht weiter und so auch dieser Blog, denn es gibt hier so einige neue Mitbewohner, die ungeduldig darauf warten, Eure Bekanntschaft zu machen. Bis dahin - bleibt gesund und genießt den herrlichen Frühling.

Dienstag, 11. Februar 2014

Es war einmal... oder wie es mit den Gorgies weiterging, Teil 2

Es gibt Neuigkeiten!
Gorgies, Gorgies, Gorgies - wohin das Auge blickt. Ihre Zahl wächst weiter und ihre Vielfalt und Selbständigkeit nimmt zu. Manchmal träume ich schon davon, in der ansonsten makellosen Stille der Nacht die Nähmaschine rattern zu hören... oder träume ich gar nicht? Zuzutrauen wäre es ihnen, die Regie selbst in die Hände... Pfoten?...Krallen?... zu nehmen. Mittlerweile haben sie sich jedenfalls bis nach Polen verbreitet und ein Exemplar hat es sogar in die Schweiz geschafft - kurz vor der Abstimmung gegen unkontrollierte Zuwanderung. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob sich weiter unten vorgestelltes Exemplar von irgendwelchen Grenzern hätte aufhalten lassen...

Eine besonders hinterhältige Version ist hier zu sehen.
Steckbrieffoto? Absolut. Er war ganz kurz davor eingebuchtet zu werden ;-)
Nachdem er still und heimlich den Ehering meines Mannes verschlungen hatte, ließ er mich nach Tagen verzweifelter Suche in einer warm-schwülen Sommerwoche - ohne mit der Wimper zu zucken - den kompletten vier Wochen alten und teilweise schon recht lebendigen Hausmüll nach dem guten Stück durchsuchen, nur um zwei Tage später festzustellen, daß Gold dann doch unverdaulich ist und den Ring dem Besitzer entgegenzuspucken. Inzwischen wurde ihm verziehen, aber er hat einige Wochen alleine auf einem Schrank sitzen müssen bevor es soweit war.

Sie wirkt, als könnte sie kein Wässerchen trüben...
Diese Katzengorgydame, die einer Zukunft als Ebookreaderbewacherin entgegenblicken durfte, hat etwas Beängstigendes an sich. Sie hatte zwei Wochen Aufenthalt bei mir, bevor ihre neue Besitzerin sie entgegennehmen konnte und hat diese Zeit genutzt, ihren unstillbaren Appetit nach Wissen zu befriedigen. Naja, zumindest haben wir wirklich ALLES versucht, sie zu sättigen.



Das mit dem "Bücherverschlingen" ging aber, wie man hier sieht, zunächst ein bißchen in die Hose. Nachdem wir ihr allerdings den richtigen Zugang zur Literatur erklärt hatten, machte sie erstaunliche Fortschritte.


Sie lernte in atemberaubender Geschwindigkeit unsere Sprache und den Umgang mit modernem technischem Gerät... Was? Naja gut, vielleicht nicht gänzlich modern, aber immernoch sehr robust und nützlich - auf mein Telefon lasse ich nichts kommen! Es ist mit großem Abstand das allerschönste und liebenswerteste Telefon der ganzen Welt (und Galaxis, wie meine Kleinste hinzufügen würde). Aber das nur am Rande - zurück zu Frau Professor Gorgy:


Hier ist sie dann - nach kurzer Einarbeitungszeit am Computer und dem Vermitteln von Grundkenntnissen über das Internet - bereits dabei, den Sinn und die Entstehung des Lebens zu erforschen. Möglicherweise ist es somit auch ihr Verdienst, daß es zu der nächsten Entwicklung bei den Gorgies kam.

Vielleicht war es aber auch schlicht nicht anders zu erwarten bei der Gorgybevölkerungsdichte hier - es gibt Nachwuchs. Auch die Kleinen sind natürlich hungrig und vertilgen vor allem USB-Sticks, Parkgeld und Auto- sowie Hausschlüssel.

Der allererste und allerkleinste Babygorgy - da ist er.
Bei Gorgies scheint die Brutpflege zwischen den Geschlechtern gerecht aufgeteilt zu sein - ein durchaus nachahmenswertes Modell, wie ich finde. Hier trägt der Vater den Nachwuchs in der schützenden Rückentasche :-)
Und schon gab es Babygorgy Nummer 2 - jaja, haste nich gesehen *schwubs* und schon isses passiert. Kenne ich :-)

Kinderkriegen hat ja dann für viele auch etwas Ansteckendes und so hatten wir denn bald eine sehr fröhlich-bunte Ansammlung von quasseligen Winzlingen - puh. Eine Tüte Mücken ist gar nichts dagegen - da kommt die oben gezeigte Aufbewahrungsmöglichkeit schon recht.

Aber es geht nicht nur kleiner, nein! Die Gorgies können auch größer. Viiiiel größer. Hier nun der Star der Mannschaft, die Mutter aller Gorgies, die es vorgezogen hat, der EU zu entfliehen, um in einem neutralen Land ihre Heimat und ihre Aufgabe zu finden - nein, nicht in der Schwarzgeldverwaltung, sondern als furchtlose Bewacherin eines edlen Notebooks:


 Sie hat ein etwas ungezähmtes, aber im Grunde durchaus freundliches Wesen, allerdings sollte man  ihr eine Aufgabe geben, die sie beschäftigt und gerade IHREN Appetit auf keinen Fall unterschätzen.

Meine Tochter hat den Kampf um ihren Stuhl verloren.
 Wenn sie aber satt und zufrieden ist, ist sie durchaus gesellig und in der Lage, Freundschaften zu schließen...


...bis zum nächsten Anfall von Appetit. Keine Sorge, ich konnte alle noch unverdaut befreien. Bei Kakao und Keksen haben wir danach das Geschehen mit "Rotkäppchen und der böse Wolf" aufgearbeitet. Ich habe auch klargestellt, daß ich Scheren besitze.


Seitdem beschäftigt sie sich lieber kulturell hochwertiger mit Filmmusik. Auch in ihrem neuen zu Hause darf sie weiterhin in die Tasten greifen. Überhaupt hat sie großes Glück mit ihrer neuen Besitzerin - aber nur so war es auch möglich, sich von diesem bislang einzigartigen Exemplar zu trennen.


Auch die nächsten beiden sind heißgeliebte Unikate für ganz spezielle Persönlichkeiten. Es ist ganz erstaunlich, in wieviele Rollen Gorgies zu schlüpfen imstande sind. Das folgende Wesen ist einigen eventuell bekannt - sind He-Man Fans unter Euch? Erinnert Ihr Euch an dieses kleine, etwas minderbegabte, stets züchtig verhüllte Zauberwesen? Ja, genau! Orko.

Hut, Schal und Mantel - ohne ist Orko nie anzutreffen. 
Ein wenig schmalbrüstig ist er schon - so ganz ohne Handy in der Rückentasche. Das hat sich aber mittlerweile geändert.
Hier der Beweis - entgegen aller Vermutungen und anderslautender Berichte ist Orko in Wahrheit ein Gorgy. Es ist ihm unsäglich peinlich, aber es geht hier schließlich um die Wahrheit und da sollte sich eigentlich niemand seiner selbst schämen müssen, oder?

Orkogorgie ohne Kleidung - ein Foto mit Seltenheitswert. In seinem neuen zu Hause wird ihm eine solche Zur-Schau-Stellung sicher erspart bleiben. Bisher wurden Gorgies nur in die besten Hände abgegeben.
Zu guter letzt noch etwas für Starwarsfans (ich habe ein Haus voll davon und habe ES TATSÄCHLICH NOCH KEIN EINZIGES MAL GESCHAFFT, TEIL 6 ZU ENDE ZU GUCKEN!!! Drei Versuche - ich bin jedes Mal eingeschlafen. Ich versuche es nochmal. Gleich dieses Wochenende. Es war einfach immer zu spät für mich. Oder es ist eine Art Fluch und ich soll das Ende nie erfahren... O.k. - vielleicht muß man hier ein wenig länger nachdenken... Naaaa? Wer könnte das sein?


Es ist Chewie-Gorgie - ein kleiner entfernter Verwandter der Wookie. Pelzig, kampfstark und von bedingungsloser Treue steht er seinem neuen kleinen Besitzer zur Seite, komme was wolle.

Da passen dann auch mal Buskarte, Taschengeld und Schokoriegel hinein - ein echtes Notfallpaket :-)
So. Das war´s zunächst. Ich bin sicher, die Geschichte der Gorgies geht weiter, zumal sich nun mein Mann ins Geschehen eingemischt hat mit einer seiner Maschinenbauideen... Wenn DAS klappt, hört Ihr sofort davon :-)