Freitag, 25. Januar 2019

Det is Paule

Darf ich vorstellen? Paul, Paul Jakobs aus Berlin Pankow.

Paule hat definitiv Charme und daher auch nie Probleme mit der Weiblichkeit aller Gesellschaftsschichten gehabt - trotz seines dezent links-grün-versifften Äußeren, was er übrigens aus voller Überzeugung und mit Stolz trägt.
Paule ist der Älteste der acht Kinder der Jakobs Familie. Paul, oder "Paule", wie ihn seine Freunde nennen, ist ein sehr entspannter Charakter - was vermutlich reine Notwehr ist, wenn man mit sieben jüngeren Geschwistern aufwächst. Seine freidenkenden Eltern haben es möglich gemacht, dass die Kinder sich alle sehr individuell entwickeln und voll und ganz entfalten konnten. So ist Paul heute zwar nicht gerade das, was man sich gemein hin unter "beruflich erfolgreich" vorstellt, aber ausgesprochen zufrieden und glücklich mit dem, was er hat. Für ihn bedeutet "Carpe Diem", jeden Tag zu nehmen, wie er ist und in aller Ruhe das Beste daraus zu machen. Er genießt seine Zeit mit Freunden und Familie, hat für alle immer ein offenes Ohr, jobt, wenn das Geld ausgeht, ist nicht zuletzt ein begeisterter E-Gitarren und E-Bass Spieler sowie ein talentierter Graffitisprayer - in Berlin kann man seine Werke unter dem Pseudonym "Ab Stract" finden. 

Paule in Aktion.
Ihm ist es zu verdanken, dass sich die Jakobsgeschwister immernoch wöchentlich treffen, um gemeinsam Musik zu machen und ihre Erlebnisse auszutauschen. Paules hervorstechenste Eigenschaft ist vielleicht seine Toleranz. Nach seiner Überzeugung ist es ganz selbstverständlich, dass jeder genauso sein darf, wie er oder sie sein möchte, solange niemandem damit wehgetan wird. Mit dieser Einstellung verkörpert er auch das, was unsere Hauptstadt nach meinem Empfinden im Kern ausmacht.


Samstag, 29. Dezember 2018

Der entscheidende Schritt oder warum aus Blumen & Biester Diemelnix Arts wurde

Was ist passiert? Alles sieht anders aus! Ihr verdient eine Erklärung und hier kommt sie:
Wir waren dann mal mutig. „Wir“, das heißt mein Mann Klaus und ich, der ab jetzt auch eine wichtige Rolle in diesem Blog spielen wird. Die Idee war eigentlich schon lange in unseren Köpfen, wir nur immer viel zu beschäftigt, um das Ganze konsequent zu Ende zu denken und vielleicht auch ein wenig zaghaft in Anbetracht der enorm erscheinenden Aufgabe, ABER wir haben es gewagt und mit Diemelnix Arts ein Familienunternehmen gegründet, was unsere Träume, Ideen und geliebten Hobbies vereint und auf ein anderes Level hebt: Wir sind jetzt professionell. 



Was sich dadurch ändert? Nicht viel und doch alles. Nicht viel, da die Anmeldung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts keine große Hürde ist und zunächst auch wenig neue Konsequenzen für den Alltag mit sich bringt. Alles, da unser eigener Anspruch und der Stellenwert unserer Arbeit vor unserem eigenen Auge ein ganz anderer ist und sie so endlich den Raum bekommt, den sie schon lange verdient.
Es ist ein riesengroßes Abenteuer voller Möglichkeiten, bei dem man sich selbstverständlich auch Beulen holt, aber der Lernprozess, der durch den ein oder anderen seelischen blauen Fleck einsetzt, macht das Ganze Schritt für Schritt nur besser. Wir haben in den vergangenen Jahren bereits einige Erfahrungen in den Bereichen Theater, Musik und Tanz, Charakterdesign und Puppenbau, Lehre von Kindern, dem Schreiben von Geschichten, Liedertexten und Theaterstücken, aber auch dem Komponieren von Musik gesammelt und sind sicher keine Anfänger, aber unser Gesamtkonzept, wir beide auch als künstlerische Kombination, ist neu. 
Wir erdenken Geschichten, die in Kombination mit Fotografie und Musik eine dichte Atmosphäre schaffen möchten, in der Phantasie und Wirklichkeit verschmelzen. Besonders fasziniert uns hierbei unsere Heimat Nordhessen, die bis heute nichts von ihrer märchenhaften Wirkung verloren hat. Dabei nutzen wir unsere Klappmaulpuppen als lebendig gewordene Hauptdarsteller, die die Grenze zwischen Phantasie und Wirklichkeit mühelos zu überschreiten im Stande sind. Man darf gespannt sein. Ich hoffe, Ihr seid es auch!

Dienstag, 8. August 2017

Türen öffnen... oder wie zum Donner fängt man an, Klappmaulpuppen zu bauen?

Gibt es etwas, das Ihr schon immer tun wolltet, aber Ihr wißt nicht so recht, wie man das Ganze anfängt? Ihr wollt Teil dieser Materie werden, lernen, verstehen, mitmachen, aber Ihr findet keine Tür zu diesem Universum oder wenn Ihr dann doch eine gefunden habt, hat der Raum dahinter viele neue Türen und ist so groß und unüberschaubar, dass Ihr kaum erkennen könnt, wo Ihr langgehen müßt, um Euer Ziel zu erreichen? So ging es mir zu Beginn mit den Handpuppen. Falls es Euch diesem Gebiet ähnlich gehen sollte, kann ich vielleicht ein wenig helfen.

Blacky, die fröhliche Fledermaus meiner Tochter, ist in Anlehnung an das "Glorified Sockpuppet" Schnittmuster von Project Puppet entstanden.

Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, bin ich seit frühester Kindheit Muppets-infiziert, was mir wohl den Wunsch in die Seele geschrieben hat, meine eigenen Figuren auf diese Art und Weise zum Leben zu erwecken. Ich besuche nicht gerne Kurse, sondern bringe mir Dinge lieber selber mit Hilfe von Büchern und Internet bei, weil ich mir die Zeit dann frei einteilen und die Quellen nutzen kann, die ich am besten verstehe oder die zu meinen Ansprüchen passen. Das funktioniert auch bei diesem Thema einigermaßen, wenn man gründlich nach guten Anleitungen sucht. Allerdings ist es nicht so, dass man hier gleichermaßen viele begeistert Bücher schreibende, bloggende oder vloggende Kreative hat wie im Nähsektor. Zudem ist Puppenbau auch eine Zusammenstellung von so vielen ganz verschiedenen Techniken, die auch von Puppenbauer zu Puppenbauer durchaus variieren, dass es lange dauert und auch durchaus Geld verschlingt, einen gewissen Überblick zu gewinnen und die richtigen Werkzeuge und Materialien zusammenzubringen, um schließlich ganz am Ende auch noch einen eigenen Stil zu finden.

Recht leicht umzusetzen, günstig und mit etwas Fantasie auch sehr variabel - verschiedene Varianten des "Glorified sockpuppet" Schnittmusters von Project Puppet.

Obwohl ich selbst einige Bücher zum Thema Puppenbau besitze, würde ich für den erwachsenen Anfänger, dessen Ziel muppetähnliche Figuren sind, keines von ihnen empfehlen. Für das Basteln mit Kindern gibt es einige nette Exemplare, die ich im nächsten Post mit unterbringen werde. Ich kenne aber leider kein noch frei verkäufliches Buch, dass den Bau der Klappmaulpuppen - wenn überhaupt - so anschaulich erklärt, dass man als Einsteiger eine Chance hat, den Ausführungen zu folgen. Meiner Ansicht nach braucht es hier zumindest sehr viele Bilder, besser Videos, die die Abläufe deutlich zeigen, sonst bleiben zu viele Fragen offen. Also landen wir bei Youtube. Es ist wie immer hier auch viel Halbgares unterwegs - schaut Euch die Anleitungen bis zum Ende an, aber entscheidet bitte erst nach mindestens vier bis fünf verschiedenen, was Euch plausibel und passend für Euch selbst vorkommt. Es ist sehr hilfreich hierfür des Englischen mächtig sein, denn gute deutsche Anleitungen sind wahre Raritäten - klärt mich auf, wenn Ihr da Brauchbares gefunden habt. Der entscheidende Suchbegriff ist hier "Puppet" oder eben "Klappmaulpuppe". Von den Youtube Kanälen, die ich durchforstet habe, finde ich den von Adam Kreutinger für Anfänger am besten geeignet. Seit kurzem hat er auch ein Schritt-für-Schritt Tutorial zum Thema Puppenbau veröffentlicht und zusätzlich dazu auf seiner Homepage ein kostenloses Schnittmuster zum Ausprobieren.
Die Schnittmuster von Project Puppet sind zwar nicht kostenlos, aber sehr gut solange man sich noch nicht an eigene Muster wagt. Dort gibt es regelmäßig Aktionspreise mit 20% Nachlass - da heißt es sich auf die Lauer zu legen und zu warten. Die Anleitungen von Adam Kreutinger helfen auch sehr bei der Umsetzung der Project Puppet Muster.
Aufbauend auf den Erfahrungen, die Ihr dann habt, lohnt es sich auch z.B. über Pinterest Bilder von Puppen in verschiedenen Stadien des Baus oder auch solche von fertigen Puppen zu sammeln und auszuwerten.
Man kann den Weg durch das Universum des Puppenbaus aber tatsächlich enorm abkürzen, indem man Zugang zu jemandem bekommt, der hier schon alles erreicht hat - idealerweise jemanden wie Norman Schneider, der als der Figurenschneider seit vielen Jahren mit seinen Figuren Theater-, Fernsehproduktionen und vieles mehr zum Leben erweckt und sie zudem auch noch professionell spielt. Ich hatte das große Glück, eine Woche in seinem Atelier mitbauen zu dürfen - da flogen die Türen in meinem Kopf nur so auf und ich profitiere auch heute, fast ein Jahr später, noch davon. Mit eigenen Augen zu sehen, wie seine Figuren entstehen, welche Techniken und Werkzeuge zum Einsatz kommen, was er verarbeitet, wie er ein neues Projekt angeht, hat die unendlich vielen Fragen, die ich noch hatte, enorm reduziert - ganz abgesehen davon, dass er und seine Assistentin Maria ausgesprochen liebenswerte Menschen sind, die ich mich sehr glücklich schätze getroffen zu haben. Er gibt hin und wieder Workshops, die auf seiner oben erwähnten Seite oder bei Facebook zu finden sind. Ich kann sie jedem ernsthaft Interessierten nur ganz nah ans Herz legen - sie sind jeden Einsatz wert.

Der große Wasserdrache Diemelnix in der Bildmitte hat sein Leben im Atelier des Figurenschneiders und unter seiner Anleitung begonnen. Die beiden anderen sind die Vorzeige- und Mitbaupuppen nach eigenem Schnittmuster aus meinem Puppenbaukurs an der hiesigen Grundschule.

 Ansonsten ist es natürlich wie überall: Traut Euch, legt los, macht Fehler, habt ein bisschen Geduld und lernt. Selbst wenn nicht alles gleich funktioniert, sind meist auch schon die frühen Ergebnisse auf ihre eigene, manchmal vielleicht etwas schrullige Art liebenswert und nichts schult so sehr wie ein eigenes Projekt. In diesem Sinne: Viel Spaß!


P.S.: Bei Fragen könnt Ihr mich gerne kontaktieren, z.B. auch über meine Facebookseite oben rechts.

Mittwoch, 25. Januar 2017

Aus Träumen werden Pläne, aus Plänen Realität

Schon als Kind wollte ich mein eigenes Puppentheater haben - so ein richtiges mit viel Platz und Licht und Kulissen. O.k. - so weit so gut, aber heutzutage sollte es bitteschön auch noch transportabel sowie relativ leicht auf- und abzubauen sein und im abgebauten Zustand nicht allzu viel Platz wegnehmen. Die ersten technischen Zeichnungen wurden erstellt, bearbeitet und verworfen, neue gemacht, Materialien gekauft, gebaut, umgeplant und angepaßt. Frei nach dem Motto "Dem Ingenieur ist nichts zu schwör!" nahm mein Mann zusammen mit mir die Herausforderung an und herausgekommen ist das:

Bereits in der Endphase des Baus wurde das Puppentheater bezogen. Fledderick macht einen ganz zufriedenen Eindruck wie ich finde.
Mit ihrer 2 Meter breiten Spielfläche bietet die Bühne zeitgleich Platz für einige Kinder oder Erwachsene. Das Spielbrett ist höhenverstellbar und läßt sich so an die Körpergröße der Puppenspieler oder besondere Gegebenheiten des Aufführungsortes oder des gespielten Stückes anpassen. Die vier einzeln oder auch gemeinsam zu schaltenden Spotstrahler bieten einige Möglichkeiten Beleuchtungseffekte einzubringen und in mehreren Reihen aufzuhängende Kulissen können der Bühne Tiefe verleihen. In Einzelteile zerlegt paßt sie in einen größeren Kombi und ist in ungefähr 10 Minuten aufzustellen und auch wieder auseinanderzunehmen. Eine erste Bewährungsprobe hat die Bühne gut hinter sich gebracht und wir feilen weiter an ihr.

Dienstag, 24. Januar 2017

Macht Euch auf die Socken Socken!

Das zweite Projekt unserer Grundschul-AG waren die guten alten Sockenpuppen. Hierfür habe ich aufgrund des fellähnlichen Charakters Kuschelsocken in vielen verschiedenen Farben besorgt - die, die nicht auserwählt und zum Leben erweckt wurden, weilen heute noch an verschiedensten Familienfüßen und warten auf ihre Chance. Die meisten, die den Sprung in ihre neue Daseinsform geschafft haben, könnt Ihr hier sehen:

 
Tatsächlich glaube ich mittlerweile, dass wir hiermit auch den Grund für das scheinbare Verschwinden vieler Socken und Strümpfe bzw. das einzelne Verbleiben ihrer Partner gefunden haben. Es handelt sich bei Socken und Strümpfen nämlich um nichts weiter als das Larvenstadium der Sockenpuppen - ähnlich wie bei Raupe und Schmetterling. Wenn der Zeitpunkt der Metamorphose gekommen ist, vermutlich ausgelöst durch einen Aufenthalt in der Waschmaschine, machen sich die frischgebackenen Sockenpuppen mit dem Abwasser aus dem Staub und leben ein geheimes Leben im Untergrund oder in weit entfernten Ländern tief im Süden. Diese Theorie wird untermauert durch Funde im Zusammenhang mit mißglückten Fluchtversuchen, die tragischerweise sowohl Socke als auch Waschmaschinenpumpe das Leben kosteten. In unserem Kurs nun haben wir es aber geschafft, die Metamorphose risikolos umzusetzen und die entstandenen Sockenpuppen zum Bleiben zu überreden. Möglicherweise ergeben sich so auch ganz neue Perspektiven für die private Sockenhaltung und -nachzucht. Unsere noch sehr jungen Exemplare hier wollten aber vor allem eins: spielen! Und das durften sie auch. Im Rahmen unserer Adventsaufführung zeigten sie allerdings auch viel Disziplin und stellten in kürzester Zeit das etwa viertelstündige selbst verfasste Stück "Weihnachten für Anfänger" mit großem Erfolg auf die Beine.

Montag, 23. Januar 2017

Raupen raupen...

Seit Oktober letzten Jahres leite ich eine AG an der hiesigen Grundschule zum Thema Puppenbau und Figurentheater. Daran nehmen 19 Kinder der dritten und vierten Klasse teil, eine gute Mischung aus 9 Jungs und 10 Mädchen. Seit Beginn haben wir drei Puppenbauprojekte sowie ein Figurentheaterstück umgesetzt und bauen jetzt an unserem vierten und größten Projekt, einer Klappmaulpuppe, was uns sicher noch bis zu den Osterferien beschäftigen wird. Es macht riesigen Spaß, den Kindern Raum für ihre kreativen Ideen zu geben und weitestgehend auch möglich zu machen, diese Ideen dann umzusetzen. Die Kinder begeistern mich immer wieder mit ihrem Engagement und ihrer Phantasie, die oft noch so herrlich ungebremst ist.

Unser erstes Projekt war eine Stabpuppe in Form einer Raupe. Um vor dem geistigen Auge der Kinder eine möglichst individuelle Puppe mit viel Persönlichkeit entstehen zu lassen, war es zunächst Aufgabe, einen Steckbrief zu ihrer Raupe zu schreiben und einen Entwurf zu zeichnen.

Einige Beispiele aus der Stabraupenkolonie (sie wurden nach Beendigung des Projektes selbstverständlich in die Freiheit entlassen und tummeln sich nun vermutlich in diversen Gärten, so zum Beispiel in dem vom zehnten Meer).


Um die unwahrscheinlich große Menge an Möglichkeiten beim Thema Raupe deutlich zu machen, habe ich den Kindern Bilder von echten Raupen gezeigt. Ich kann nur jedem empfehlen, sich da im Netz umzuschauen. DEN Designer möchte ich mal treffen, der all diese irren Modelle zu verantworten hat - man kann sich kaum mehr einfallen lassen, als da schon verwirklicht wurde. Die Bewegungen der Raupen, die später für das Spiel mit der Puppe wichtig werden würden, haben wir uns dann anhand zweier kurzer Videos angesehen und besprochen. Zusätzlich hatte ich einige fertiggestellte Stabraupen dabei, um den Kindern auch eine Vorstellung vom fertigen Projekt zu geben. Nach dem Erstellen von Steckbrief und Entwurf ging es an die Arbeit mit dem Schaumstoff, der vom Quader in eine Raupenform gebracht, also mit der Schere "geschnitzt" werden sollte. Mir war es dabei wichtig, dass die Kinder das Material kennenlernen, da es in Teilen des Puppenbaus eine wichtige Rolle spielt. Gleichzeitig wollte ich die Kinder mit ihren motorischen Fähigkeiten einschätzen lernen. Dann wurde der Schaumstoff mit Filzstiften den Entwürfen entsprechend bemalt, mit verschiedenfarbigen Borsten von Handfegern oder Kunstfellabschnitten beklebt und Glasaugen oder Perlen als Augen angebracht. Zuletzt befestigten wir aus schwarzen Drahtkleiderbügeln geformte Führungsstäbe im vorderen und hinteren Ende der Puppe und probierten ihre Beweglichkeit aus. Im Sitzkreis durfte dann jeder seine Raupe mit ihrer Geschichte vorstellen, was teilweise sehr ausführlich und in jedem Fall unterhaltsam genutzt wurde - eigentlich sollte man direkt ein kleines Raupengeschichtenbuch herausbringen, so viele tolle Einfälle wurden dort von den Kindern zusammengetragen. Das ganze Projekt dauerte zwei Doppelstunden. Die Möglichkeit zu Hause kleine Videos mit den Raupen zu drehen und sie im Unterricht vorzustellen wurde leider kaum angenommen (ein Beispiel ist unten zu sehen), aber sie bekamen einen kleinen Auftritt in unserem Weihnachtsstück.


Donnerstag, 15. September 2016

Die Monster sind los!

Ich sage es besser gleich: Hier hat sich einiges verändert, seit ich das letzte Mal über das Thema Nähen geschrieben habe. Damals war ich noch voller Unschuld der Meinung, die Sache im Griff zu haben. Naiv, ja, ja. In den letzten Monaten musste ich dann auch erkennen, dass ich mich in diesem Punkt vollkommen und  tiefgreifend geirrt hatte - SIE hat MICH im Griff und die bunten, ungezähmten Produkte meiner verdrehten Gehirnwindungen haben hier inzwischen längst das Zepter übernommen (ich wünschte, sie würden auch den Haushalt schmeißen, aber DAS haben sie unglücklicherweise bislang noch mir überlassen). Überlege gut, wem Du Augen gibst, sage ich nur...

Spot, Albert und Fledderick - die Neuen im Garten des zehnten Meeres
Was ist passiert? Waren es die Woomahoos? Auch. Hatte der sehr engagierte Albert damit zu tun (man sieht ihn hier auf einem Foto bei einer seiner gesundheitspolitischen Aktionen)? Bestimmt. Fing es vielleicht mit den Gorgies an? Hier, hier und hier ist ihre Entwicklung nachzulesen und JA! Sie haben ganz sicher etwas ins Rollen gebracht. Mit ein bisschen Weitsicht hätte man gerade hier erkennen können, dass allein schon diese Spezies niemals mit Stillstand zufrieden sein würde, nein, sich entwickeln MUSSTE. Dass das bei ihrem gierigen, kompromisslosen Charakter heikel werden könnte, hätte man zumindest erahnen können. Aber nein, betriebsblind wie ich war experimentierte ich weiter. Tja, auch Frankenstein hat seine Kreaturen einst geliebt und die möglichen Folgen seiner Arbeit sehr lange ignoriert. Nun ist das zehnte Meer annektiert. Doch malen wir das Monster nicht an die Wand - bislang gehört Ihnen NUR das zehnte Meer, der Ort an dem wir wohnen. Sicherlich werden wir sie hier eindämmen können, sollte das notwendig sein... denke ich... doch, bestimmt... na gut, einige wurden schon in Berlin gesichtet... andere in Toronto... aber das war jetzt auch alles, glaube ich... ach wartet... in Polen noch, da ist auch einer entlaufen... ähm... ja, in die Schweiz sind sie auch vorgedrungen... mmh...

Schon während ihrer Entstehung mußte man bei den Gorgies - hier eigentlich noch sicher in Stickfolie verpackt - immer aufpassen. Bisswunden waren keine Seltenheit.
Naja, wenn man ehrlich ist, hatte sich das Ganze schon weitaus früher angekündigt, nämlich in diesem Moment in grauer, grauer Vorzeit, als mich im Alter von knapp drei Jahren Amors Pfeil zum allerersten Mal traf und das Opfer meines ersten großen amurösen Engagements ausgerechnet ein Frosch war. Nein, nicht der aus dem Brunnen - ein bisschen moderner war ich schon - der aus der Muppetsshow... oder Sesamstrasse... ganz wie Ihr wollt: Kermit - höflich, freundlich, diplomatisch, kreativ und intelligent, immer das Gute in seinem Gegenüber sehend. Er ist eine pädagogisch höchst wertvolle Lehrkraft, zusätzlich als freier Journalist, Entertainer, Schauspieler und Sänger tätig und von einem UNSCHLAGBAR SCHÖNEN GRÜN - was auf den ersten Blick wie merkwürdiger Geschmack anmuten mag, lässt sich insgesamt dann doch sehr gut begründen, wie ich finde. Natürlich war es aber leider eine tragische Liebe - Ihr kennt alle dieses Schwein. Irgendwann mußte auch ich erkennen, dass es an IHR kein Vorbeikommen gab.

Da denkste, Du hast ein Stillkissen und plötzlich schlüpft daraus ein riesen Drache... So sieht es aus in unserem Leben.
Wie alle Drachen brauchte er eine Aufgabe und war außerdem einfach zu gefräßig für unser Budget. Er wurde nebst größerem Reiseproviant nach Berlin in beste Hände gegeben, um dort auf sein eigenes Kind aufzupassen, was er seitdem mit größtem Erfolg tut.
 Ich begann dann stattdessen, eigene Wesen zu entdecken, die irgendwie in meinem Kopf geboren zu werden schienen...oder war ich nur ihre Tür in diese Welt? Es regen sich doch arge Zweifel in mir, ob ich wenigstens im Bereich der Monsterschöpfung die Leitung habe oder auch hier nicht mehr als ein Erfüllungsgehilfe bin - auf jeden Fall war ich seit diesem Zeitpunkt nie mehr wirklich allein. Sie waren von nun an immer bei mir, in meinem Kopf, um mich herum - egal wohin ich ging. Sie wollten gezeichnet werden, genäht, wollten diskutieren, kuscheln, dabei sein - auch wenn es noch so unpassend war - machten ständig sarkastisch trockene Kommentare aus dem Hintergrund, tanzten mit mir beim Kochen durch die Küche oder schenkten mir durch ihre lächelnde Gegenwart einfach Seelenruhe. Ist es eine Form von Wahnsinn? Vielleicht. Wahrscheinlich. Aber selbst wenn, dann gebe ich ihn NIE, NIE WIEDER HER.

Immer hilfsbereit zur Stelle - unsere Bummbies, ihres Zeichens Türsteher.
Ja, bei Kermit lag der Anfang. Es dauerte eine Weile, einige Jahre gingen ins Land, doch dann schlug die Liebe zum Frosch in Bewunderung für seinen Erschaffer um. Jim Henson hat der Welt ein Geschenk gemacht, vor allem, aber durchaus nicht nur den Kindern. Er hat Menschen aller Altersklassen erfreut, sie auf sanfte und humorvolle Art miterzogen, die andersartigsten Wesen zusammenarbeiten lassen, Brücken gebaut und Liebe verbreitet. In meinem bunten Herzen wird er immer seinen Platz haben. Seit damals wollte ich tun, was er tat und trotz all der Umwege, auf die mich mein Leben geschickt hat, habe ich die Monster im Kopf nie gehen lassen, sondern sie von zweidimensionalen Zeichnungen allmählich dreidimensionaler werden lassen - UND JETZT ENDLICH ist es an der Zeit, sie in Lebensgröße, echtem 3D, der Sprache fähig und zum Anfassen in diese Welt zu holen!!! DER DAMM IST GEBROCHEN!!!

Spätestens dann wird Dir klar - ETWAS in Deinem Haus hat sich verändert... Spülen nicht vergessen Fledderick, ja?
Dachte ich. Und nun? Jetzt sind sie da. Als wäre es kein weiter Weg gewesen, sondern das einfachste auf der Welt. Und es werden ständig mehr. Der Zauberlehrling kommt mir in den Sinn und ich fürchte mich ein bisschen, doch muss ich sagen, dass sich trotz aller äußerlichen Fremdartigkeiten, trotz des Zusammentreffens ganz unterschiedlicher Kulturen die allermeisten Wesen im Grunde ihrer Seele nicht wirklich von uns unterscheiden. Eigentlich ist es sogar ungeheuer spannend, bereichernd und lehrreich, sie hier zu haben und wenn sie sich dafür ein bisschen von unserem Lebensraum nehmen und etwas Durcheinander stiften, dann ist das sehr in Ordnung - wir hier im zehnten Meer haben von allem mehr als genug und teilen gerne. Vielleicht habe ich - seit sie nun auch stofflich präsent sind - nicht mehr alles so unter Kontrolle - aber unter uns: Wer hat das in Wirklichkeit schon? Und der Versuch gegen das ganz natürliche Chaos mit allzu strikten Regeln anzugehen, ist ein Kampf gegen Windmühlen, erstickt oft auch jede Kreativität sowie möglicherweise hilfreiche Zufallsereignisse im Keim und ist damit meines Erachtens nach auch nicht immer sinnvoll. Unser Leben ist also ein bisschen bunter und wilder geworden, aber wir auch gelassener. Und das ist gut so. Daher schieben wir jetzt die dezente Angst vor der vermutlich aufregenden Zukunft beiseite und freuen uns auf die gemeinsame Zeit mit den vielen neuen Charakteren in unserem Heim.

Spot hilft mir in meiner Monsterküche - immer mit einem Lächeln auf den Lippen :-)
Ich werde Euch in den nächsten Posts die Monster einzeln (sofern sie mich lassen) fertig und z.T. auch in ihrer Entstehung vorstellen und wenn Ihr Lust habt, könnt Ihr mich begleiten, wenn ich im nächsten Monat anfange, meinen ersten Puppenbaukurs an der hiesigen Grundschule zu geben. Hmm? Ja. Ich verbreite sie ungeniert weiter, stimmt. Doc Frankenstein halt... eigentlich glaube ich aber auch wirklich nicht, dass sie jemandem tiefgreifender schaden könnten, doch solltet Ihr andere Informationen haben, meldet Euch bitte bei mir, dann schalten wir umgehend den Monsterflüsterer ein.

In diesem Sinne HERZLICH WILLKOMMEN im neuen alten Blumenladen ihr Monster und alle, die Ihr Spaß daran habt!

Liebe RUMS-Gemeinde - ich glaube, ich habe noch nie etwas so sehr für mich gemacht, wie diese Klappmaulmonsterpuppen :-)

Eure Tanja